Aussage 2017

Jens H. WestermannWer sich nicht nach dem Markt richtet, wird vom Markt bestraft.
Wer sich nach dem Kunstmarkt richtet, wird vom Kunstmarkt bestraft.
Nun ja, versuchen wir es mal.

Kunst ist ein Geschäft …

Was ist Kunst aus der Sicht des Betrachters? Unter anderem: Man kann es nicht glauben. Man will sie ein 2. Mal sehen. Der Beobachter meint, Künstler wüsten etwas, oder tun so als ob, was sie als Nicht-Künstler auch gerne wüsten. Dahinter steckt ein alter Schamanen- Heiler- und Priester-Kult und steht im Zusammenhang mit Machtausübung. Künstler kreieren mit dieser Macht einen Mangel, den sie dann bedienen. Das ist ein Markt.

Kunst ist nicht Dekoration sondern Erklärung. Es geht nicht ums Abgebildete sondern ums Abbilden. Kunst ist, wichtiges belanglos daherkommen zu lassen und umgekehrt. Tradition ist dabei Verrat an der Zukunft. Und erklärt bekommen, möchte fast jeder die Welt. Auch wenn er es nicht versteht. Kaufen wird jemand, der das erkennt, oder glaubt es zu erkennen.

… Ein absurdes Geschäft

Kunst verdoppelt seinen Wert, sobald sie gekauft wird (technische Produkte halbieren den ihren – Art Of Business, Business Of Art). Gleichzeitig hat Kunst die im Vergleich zu anderen Anlagearten schlechteste Kapitalrendite. Aber nur hier sind derart exorbitante Wertsteigerungen möglich. Nur Werke, die Ihren Wert steigern sind Kunst. Und es gibt Massen und Massen und Massen an Bildern und Skulpturen. Es gibt keinen Mangel an Ressourcen. Die Ware Kunst ist also eher für den risikofreudigen Handel und nicht für dessen Produzenten interessant. Die Lebenswirklichkeit der meisten Künstler spiegelt das statistisch wieder:

„Viele Künstler verdienen netto nicht einmal 700 Euro im Monat“ (Marco Mundelius DIW, 2009). Damit sind die akademisch gebildeten Künstler gemeint. Die Autodidakten dürfen sich über ein überdurchschnittliches Einkommen freuen. Dahinter steckt freilich ein statistischer Trugschluss. Jeder von der Akademie kommende zählt automatisch zu den statistisch erfassten Künstlern (auch wenn er einen anderen Beruf ausübt). Aber nur die Autodidakten, die es geschafft haben und sich verkaufen, gelten als eben jene (die anderen sind reguläre Taxifahrer, die halt malen oder musizieren).

Abseits der üblichen Wertschöpfung zwischen Haushalten und Betrieben, steckt der Künstler in der üblichen Falle der Selbständigkeit. Erfolg oder Aufgabe. Ein Normal-Unternehmer kann schief gelaufene Investitionen als gescheiterte Projekte (finanziell und emotional) oft schnell abstreifen und etwas neues, anderes unternehmen. Ein Künstler kann das nicht. Bei Erfolglosigkeit verliert er seine Existenz.

Jens H. Westermann, 2017.

Share:  Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedintumblrmail    Follow:  Facebooktwittergoogle_pluspinterestlinkedinyoutubeinstagram